Peter Scholl-Latour

Peter Roman Scholl-Latour ist ein deutscher Journalist. Er besitzt neben der deutschen auch die französische Staatsbürgerschaft, über seine Vorfahren und durch seine eigene Lebensgeschichte ist er eng mit diesem Land verbunden. Scholl-Latour hat in verschiedenen Fernsehsendungen angedeutet, dass er während des Dritten Reiches in "Schutzhaft" saß. Dieses Thema erwähnt er auch in seinem Buch "Leben mit Frankreich - Stationen eines halben Jahrhunderts", wobei der genaue Grund für seine Widerstandstätigkeit jedoch unklar bleibt. Er berichtet lediglich darüber, dass er sich den Partisanen des Marschalls Tito im damaligen Jugoslawien anschließen wollte, aber schon an der Grenze zu Slowenien von der Gestapo verhaftet wurde. Nachdem Scholl-Latour 1945 als Angehöriger des französischen Fallschirmjäger-Expeditionskorps, dem Commando Parachutiste Ponchardier, am Indochinakrieg teilgenommen hatte, studierte er in Mainz, Paris (Sorbonne) und Beirut an der Universität Saint Joseph Philologie, Politologie und Arabistik und arbeitete bereits während seines Studiums als Reisejournalist für deutsche und französische Zeitungen und Rundfunkanstalten. Sein Volontariat absolvierte er 1948 bei der Saarbrücker Zeitung. Für seine Berichte bereiste er Amerika, den vorderen Orient und große Teile Südost- und Ostasiens. Im Jahr 1954 promovierte er in Paris zum Docteur ès lettres. Anschließend war er in den Jahren 1954 und 1955 Sprecher der Regierung des Saarlandes. 1956 entschied er sich endgültig für den Journalismus, reiste nach Afrika und Südostasien, wurde 1960 bis 1963 ständiger Afrika-Korrespondent der ARD, von 1963 bis 1969 zuerst Studioleiter der ARD in Paris und anschließend bis 1971 Programmdirektor des WDR-Fernsehens. Er reiste von Paris regelmäßig als Sonderkorrespondent nach Vietnam, wo er sich 1973 unfreiwillig für eine Woche bei der Volksfront für die Befreiung Vietnams (NLF) aufhielt. Trotz guter Behandlung durch die NLF waren er und sein Team Gefangene dieser Gruppe. 1971 bis 1983 war er Chefkorrespondent und Leiter des ZDF-Studios in Paris. Anschließend wandte er sich wieder den Printmedien zu und wurde als Chefredakteur und Herausgeber des durch die Affäre der gefälschten Hitler-Tagebücher schwer angeschlagenen Stern-Magazins auch zum Vorstandsmitglied des Stern-Verlags Gruner + Jahr AG & Co KG berufen. 1984 wurde er Beiratsmitglied der UFA-Film- und Fernseh-GmbH. Nach seinem Ausscheiden bei Gruner + Jahr und dem Stern ist er bis heute als Publizist und Autor von Dokumentarfilmen tätig.


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Steckbrief

Geboren am 09.03.1924 in Bochum, Deustchland
Nationalität: Deutsch
Wohnort: Paris, Frankreich
Größe: k.A. cm
Gewicht: k.A. kg


Durch seine vielen Auslandsreisen, die er seit den 1950er Jahren unternommen hat, erwarb sich Scholl-Latour schnell den Ruf des "Kenners der Kontinente" (ZDF). Den deutschen Medien gilt er seit vielen Jahren als Ansprechpartner und Experte, für die Themenbereiche Naher Osten und Islam. In vielen Fernsehdiskussionsrunden äußerte sich Scholl-Latour kritisch über die Rolle der USA und Großbritannien zu den geplanten und durchgeführten Kriegen in Afghanistan und im Irak. Gleichwohl wird Scholl-Latour von vielen Orientalisten und Politikwissenschaftlern für seine Berichterstattung gerügt. Sie werfen ihm vor, durch undifferenzierte Sichtweisen bestehende Feindbilder aufrechtzuerhalten und alte Ängste zu schüren. Inhaltlich und stilistisch sahen Kritiker auch Parallelen zum klassischen Kolonialroman (vergl. etwa Verena Klemm, Karin Hörner (Hg.): Das Schwert des Experten - Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild, Heidelberg 1993). Auch ließe er in seinen Büchern einige wichtige Aspekte unberücksichtigt. Befürworter hingegen weisen u.a. darauf hin, dass sich seine Warnungen vor dem radikalisierten Islam nach dem 11. September 2001 bestätigt und sich viele seiner Prognosen bewahrheitet hätten. Es gibt auch prominente Muslime, die Scholl-Latour schätzen, wie etwa der liberale Bassam Tibi, der seinerseits von einigen Orientalisten kritisiert wird. In der Iranischen Revolution von 1979 sieht Scholl-Latour den Anfangspunkt einer größeren "islamischen Erneuerung", über die er in vielen seiner Bücher schreibt, und die er als eine der großen Herausforderungen des neuen Jahrhunderts ansieht. Jedoch sind der Islam und der Nahe Osten nur ein Aspekt der journalistischen Arbeit von Scholl-Latour. Zu vielen Themen und Kulturkreisen erschienen Bücher (zum Beispiel Volksrepublik China). Als weiteren Hauptschwerpunkt seiner Arbeit kann man Afrika und die vielfältigen Probleme dieses Kontinents, die sich schon seit der Entkolonialisierung deutlich zeigen, nennen.




Autogrammadresse:

Peter Scholl-Latour
4 rue Gothe
75116 Paris
Frankreich
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